2018 kommt eCall Notrufsystem
2015-03-15 09:00:14

eCall Das eCall Notrufsystem wird ab dem 31. März 2018 Pflicht für alle neuen Automodelle in der europäischen Union. Für Verbraucher- und Datenschützer wird damit ein Alptraum wahr. Das Auto-Notrufsystem eCall ist umstritten, viele sehen mehr Gefahren als Nutzen. Andere sehen in ihm einen Schritt hin zu der vollständigen Sicherheit beim Autofahren.

In der EU werden jedes Jahr tausende Menschen Opfer von Verkehrsunfällen. Oftmals könnten die Unfallopfer gerettet werden, wenn die Hilfsdienste schneller am Unfallort wären. Schon seit 2003 steht eCall auf der Liste der EU, bislang war allerdings wenig passiert. Nun gab es den Startschuss für das elektronische Notrufsystem.

So funktioniert eCall

Pkw verkaufenLaut Schätzungen der EU könnten jedes Jahr ungefähr 2.500 Menschenleben gerettet werden und weitaus weniger Verkehrsunfallbeteiligte verletzt werden, wenn die Rettungsdienste schneller am Unfallort ankommen. Hierbei soll das eCall Notrufsystem helfen. Mit dem System ausgestattete Autos setzen selbsttätig einen Notruf an die nächst gelegene Notrufzentrale ab. Europaweit wird diese unter einer einheitlichen Nummer erreichbar sein. Ausgelöst wird der Notruf von Crash-Sensoren; wer wünscht, kann auch eine manuelle Auslösung per Taste betätigen. Die nächstgelegene Notrufzentrale erhält automatisch eine Meldung vom Standort des Fahrzeugs, kann mit den Insassen sprechen und so weitere Informationen über den Unfall erhalten. Auch können die Hilfsdienste die nötigen Rettungsinformationen abrufen und an die Retter übermitteln.

Weg frei für Geschäfte

Klingt das eCall Notrufsystem erst einmal nach einer nützlichen Innovation, so gibt es doch viele Kritiker. Experten warnen, dass das neue Notrufsystem für Autohersteller und Versicherer zu einem Türöffner für Geschäfte wird; zulasten der Autofahrer. Um im Notfall die Alarmzentralen zu erreichen, müssen viele Daten gesammelt werden. So warnt der Wirtschaftsrechtler Volker Lüdermann: „eCall ist ein trojanisches Pferd“. Der Datenschützer sieht das gesetzliche Notrufsystem selbst nicht als Problem, vielmehr die Möglichkeit die gesammelten Daten für Zusatzdienste zu missbrauchen. So ist eCall eine technische Plattform, die Zusatzdiensten aller Art offen steht.

In dem Szenario der Kritiker wird das eCall System von Autoherstellern genutzt, um die Geschädigten zu den eigenen Markenwerkstätten zu lotsen. Dies wäre dann möglich, wenn ein paralleles Notrufsystem eines Herstellers die Funktion des gesetzlichen Notrufs übernimmt. Laut geplanter Gesetzgebung soll das möglich werden.

Autohersteller kooperieren mit Versicherern

Wenn die Technik und das Datensammeln rund um das eCall Notrufsystem nicht besser geregelt werden, dann ist es für Autohersteller sehr lukrativ, um mit Versicherern zu kooperieren. Informationen über das Fahrverhalten der Versicherten können weitergegeben werden, Beiträge dahingehend angepasst werden. Experten raten Neuwagenkäufer, genau darauf zu achten, welcher Datenverwendung sie zustimmen.

Bei einer aktuellen Umfrage zum Thema gab ein Großteil der Befragten an, dass man sich klare Regeln für die Datenweitergabe wünsche. 48 Prozent befürworten die Einführung von dem Notrufsystem eCall nur, wenn es auch eindeutige Regelungen gibt. 39 Prozent der Befragten hatte keine Bedenken zum neuen elektronischen System, jedoch sieht fast jeder Achte die Technik generell kritisch.

Ab 2018 ist eCall Pflicht

Gebrauchtwagen verkaufenIn der Diskussion rund um den eCall sind Datenschützer bereits warnend aufgetreten. Dank ihrem Einsatz wurden ursprüngliche Entwürfe, die weiteres Datensammeln vorsahen, abgespeckt.

Das eCall Notrufsystem ist ab April 2018 Pflicht für alle in der EU verkauften Neuwagen. Premiumhersteller, wie BMW, bieten ähnliche Notrufsysteme allerdings schon seit Jahre an. In drei Jahren wird dann jedes neue Auto die eingebaute SIM-Karte haben, diese wählt automatisch den Notruf 112, sobald ein Airbag im Pkw auslöst. Je nachdem,  ob die Insassen noch sprechen können oder nicht, wird der Unfallort GPS lokalisiert und ein Rettungsteam dorthin geschickt.

Das System gibt nur Ort, Zeitpunkt, die betroffene Fahrzeugklasse und die verwendete Treibstoffart weiter. Anhand hinterlegter Rettungskarten können die Helfer bereits auf dem Weg zum Unfallort einen Rettungsplan erstellen. Die gespeicherten Daten werden nach einer Zeit automatisch wieder gelöscht. Auch können Unfallbeteiligte, sofern sie noch ansprechbar sind, selbst wählen, durch wen sie abgeschleppt werden möchten. Das hat einige Kritiker milde gestimmt.

Allerdings erlaubt die EU parallele Notrufsysteme der Hersteller weiterhin. Diese übernehmen die Funktion des gesetzlichen Notrufs. Der eCall wird in diesem Fall stumm geschaltet. Als gefährlich wird eingeschätzt, dass dann die gesetzlichen Regelungen nicht mehr gelten. Autohersteller dürften so zu ihren angeschlossenen Markenwerkstätten lotsen.