Von A wie Auto bis Z wie Zoll: So funktioniert der US-Import
2015-09-25 15:00:18

Exotische amerikanische Autos sind bei deutschen Autoliebhabern sehr gefragt. Vor allem ältere Muscle-Cars oder Pony Cars mit extrem hohen Motorleistungen wie der Ford Mustang gehören zu den beliebten US-Importen auf vier Rädern. Diese charakteristischen Kraftpakete wurden vor allem in den 1960er und 1970er Jahren produziert. Eines haben die typischen „Amischlitten“ alle gemeinsam: Sie sind ein Blickfang aller erster Güte mit viel Power unter der Haube. Vom Sportwagen bis zur Edellimousine gibt es eine große Auswahl heiß begehrter US-Cars. Wir zeigen, worauf Sie beim Import achten sollten.
Haben auch Sie schon das ein oder andere Mal darüber nachgedacht, einen Gebrauchtwagen aus den USA zu importieren? Zum Beispiel einen Mercury Cougar oder einen Pontiac Firebird? Vielleicht sind Sie auch eher der Typ für einen der damaligen amerikanischen Oberklassewagen wie das 65er Cadillac Coupé de Ville oder das 56er Lincoln Premiere Hardtop Coupé. Welches Modell auch Ihr Favorit sein mag, zunächst muss es gekauft und transportiert werden. Sie fragen sich, wie man das eigentlich anstellt, und was man bei so einem Import aus den USA alles beachten muss? Wir verraten es Ihnen.

Wichtige Dokumente

Sie haben sich für Ihr Traumauto entschieden. Ein Privatanbieter verkauft einen roten 65er Ford Mustang Fastback. Doch bevor Sie dem Kauf tatsächlich zustimmen, möchten Sie gerne genau wissen, worauf Sie achten müssen. Da wären zunächst die Zulassungspapiere für das Fahrzeug. In den USA heißt das Äquivalent zum deutschen Fahrzeugbrief für alle jemals zugelassenen Fahrzeuge „Certificate of Title“ oder kurz „Title“. Lassen Sie sich den Title unbedingt vorher zeigen.
Autoimport aus Amerika
Neben der Fahrgestellnummer und dem amtlichen Kennzeichen sind vor allem die Informationen Registered Owner (aktueller Eigentümer) und Lienholder (falls das Fahrzeug beliehen ist) für Sie relevant. Sollte das Auto nicht vollständiges Eigentum des Verkäufers sein, weil zum Beispiel eine Finanzierung über eine Bank vorliegt, muss Ihnen der Verkäufer ein Dokument zur Freigabe namens Release inkl. Überschreibungsvermerk aushändigen. Sollte dies nicht vorliegen, ist der Verkauf nicht rechtens. Ohne gültige Papiere erübrigt sich jede weitere Überlegung, ob Sie das Fahrzeug kaufen sollten.

Was Sie über den Transport wissen sollten

Grundsätzlich können Sie entweder persönlich in die USA reisen und das Auto bis um jeweiligen Hafen fahren, oder den kompletten Transport von Deutschland aus regeln lassen. Der Vorteil Ihrer persönlichen Anwesenheit ist, dass Sie das Auto vorher gründlich in Augenschein nehmen können. Die Investition in das Flugticket und die Übernachtung kann im Zweifelsfall günstiger ausfallen als der finanzielle Schaden bei einem völlig fahruntauglichen Wagen. Außerdem können Sie die Zahlungsmodalitäten mit dem Verkäufer vor Ort regeln und eventuell noch einen Rabatt aushandeln. Für die Fahrt bis zum Hafen können Sie sich ein amerikanisches Überführungskennzeichen namens „One Day Permit“ besorgen. Versichern können Sie das Fahrzeug kurzfristig mit einer Kfz-Kurzzeitversicherung für Touristen zum Beispiel über den amerikanischen Automobilclub AAA.
Demgegenüber steht die Möglichkeit eines bequemen Komplett-Transports durch eine internationale Spedition. Viele große Spediteure haben eigene Geschäftsstellen an den wichtigsten Häfen entlang der amerikanischen Küste. Sie sind in der Lage, das Fahrzeug sowohl vom Verkäufer bis zum Hafen als auch bis zur Verladestelle zu transportieren. Bei Ankunft an einem deutschen Hafen übernimmt die betreffende Spedition auf Anfrage auch den Transport bis zu Ihnen. Inklusive Verzollung und Verladung.
Fahrzeuge aus den USA werden für gewöhnlich nach Europa verschifft. Beachten Sie, dass Ihr Auto drei Tage vor der Verschiffung am jeweiligen Hafen bzw. der Zollbehörde angemeldet werden muss. Gleichzeitig müssen die nötigen Zulassungspapiere ebenfalls drei Tage vor der Überfahrt bei der US-Zollbehörde vorgelegt werden. Diese Dokumente benötigen Sie auch für eine Zulassung in Deutschland. Wir empfehlen Ihnen, sich vorher genau über die unterschiedlichen Containerarten zu informieren. Hier lohnt es sich, ein paar Euro mehr zu investieren, um mögliche Transportschäden zu vermeiden.

Wie viel Zeit Sie einplanen müssen

Mit allem Drum und Dran können schon mal bis zu 4 Monate vergehen, bis der US-Import vor Ihrer Tür steht. Darin enthalten ist die Zeit von Ihrer Fahrzeugsuche über den Verkauf und Transport bis zur Ankunft des Fahrzeugs in Deutschland. Die Informationen bezüglich der benötigten Zeit für eine Verschiffung variieren abhängig vom jeweiligen Hafen. Von Los Angeles (Westküste) bis Bremerhaven können Sie von 14 bis 30 Tagen ausgehen, während die reine Zeit auf See ab New York sich auf etwa 10 Tage beläuft. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Verschiffung von der Ostküste bis zu zwei Monate dauert. Ab einem Hafen an der Golfküste bei Florida gilt in etwa ein Zeitraum von 8 bis 9 Wochen.
Für die Verladung, Verzollung und den anschließenden Transport bis zu Ihnen nach Hause vergehen nochmal zwei Wochen. Planen Sie also reichlich Zeit für Ihren persönlichen US-Import ein. Im Zweifelsfall rechnen Sie lieber zwei Wochen mehr ein. Dann ist die Freude umso größer, wenn der Wagen doch eher ankommt und Sie sind nicht so enttäuscht, wenn die Lieferung sich verspätet.

Welche Kosten bei einem US-Import entstehen

Abgesehen von dem eigentlichen Kaufpreis (Netto) fallen diverse andere Kosten bei einem Autoimport aus den USA an. Pauschal lässt sich der finanzielle Aufwand nur an einigen messbaren Konstanten festmachen. Da wäre zum Beispiel die Sales Tax (Kaufsteuer), die je nach Bundesstaat bis zu 9% betragen kann. Die Sales Tax fällt nicht an, wenn das Auto direkt nach dem Kauf exportiert wird. Sollten Sie jedoch erst noch eine Rundreise durch die Vereinigten Staaten geplant haben, müssen Sie die Kaufsteuer entrichten. Sie können sie allerdings nach der Verschiffung zurückfordern. Für den Transport gelten die Preise des Spediteurs bzw. des Schifffahrtunternehmens. Ab Los Angeles betragen die Kosten für eine Verschiffung etwa 1000,- € für Ihren PKW. Für die Verschiffung ab New York werden rund 800,- € bis zum deutschen Hafen fällig.
Darin enthalten sind allerdings noch keine Kosten für die Verzollung oder die in Deutschland zu entrichtenden Steuern (Einfuhrumsatzsteuer). Für die Europäische Union gilt allgemein ein Zollsatz von 10% für PKW-Importe aus den USA. Die Einfuhrumsatzsteuer entspricht der Mehrwertsteuer und beträgt 19%. Die einzige Ausnahme bilden Oldtimer. Darunter fallen Modelle, die nachweislich mindestens 30 Jahre alt sind und nicht mehr produziert werden. Hierfür gilt seit dem 01.01.2014 in Deutschland ein Steuersatz von 7% und der Zoll ist gratis. Eine Kalkulation könnte folgendermaßen aussehen:
Kosten für den Autoimport
Sollten Sie einen Importhelfer einschalten, oder jemanden, der Ihnen vor Ort in den USA hilft, entstehen zusätzliche Kosten. Außerdem können die Transportkosten je nach Spediteur variieren. Ferner sind hier noch keine Kosten für eine Transportversicherung enthalten. Kalkulieren Sie also vorher alle möglichen Komponenten mit ein. So erleben Sie keine bösen Überraschungen.

So können Sie Risiken vermeiden

Frei nach dem Motto „Glaube nur, was du mit deinen eigenen Augen gesehen hast“ sollten Sie vor dem Kauf eines amerikanischen Gebrauchtwagens alle erdenklichen Informationen darüber zu Rate ziehen. Falls Sie persönlich nicht für eine Besichtigung in die Staaten reisen können, gibt es eine nützliche Alternative: den Carfax History Report™ auf carfax.eu. Mithilfe des CHR lässt sich binnen kürzester Zeit herausfinden, ob das von Ihnen ausgewählte Fahrzeug evtl. über Mängel verfügt oder gar ein Unfallwagen ist. Sie geben auf der Webseite einfach die Fahrgestellnummer des Autos ein und bekommen Informationen über Vorschäden, Tacho-Manipulationen, Anzahl der Vorbesitzer, Rahmenschäden, Totalschäden usw. So vermeiden Sie fatale Fehlinvestitionen in kaputte Fahrzeuge. Sollten Sie Ihr Auto von einem amerikanischen Privatanbieter kaufen, fragen Sie ihn nach dem History Report (Fahrzeughistorie). In der Regel besitzen die Fahrzeughalter dort schon einen offiziellen Report. Für europäische Kunden bestehen momentan drei Carfax-Informationszentralen in Schweden, Slowenien und Spanien.
In jedem Fall sollten Sie auch eine umfangreiche Transportversicherung abschließen, denn Gefahrenpotentiale gibt es unterwegs genug. Während der Verladung oder dem Transport auf See kann eine Menge schiefgehen. Die so genannte „All Risk Insurance“ deckt alle Risiken komplett ab. Zwar sind die Kosten dafür relativ hoch. Aber wer sicher gehen will, belässt es nicht bei einer Teilkasko-Versicherung. Man importiert schließlich auch nicht jeden Tag seinen Traumschlitten aus den Staaten. Für die genauen Policen informieren Sie sich einfach bei der Spedition bzw. dem Versicherungsanbieter.
Wenn Sie diese Hinweise befolgen, sind Sie einem problemlosen Autoimport aus den USA einen Riesenschritt näher. Es ist ein weiter Weg von Amerika bis nach Deutschland. Doch sobald Ihr amerikanischer Traumschlitten vor Ihrer Haustür steht, wissen Sie, dass sich das Warten gelohnt hat.
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