Automarkt in Russland wird zum Problem
2014-10-12 09:00:05

Auto verkaufenDer Automarkt in Russland steckt in der Krise. Das wird zunehmend auch zu einem Problem für die deutschen Autohersteller. Volkswagen und Opel zogen bereits die Notbremse und drosselten dort die Produktion. Die Autowelt hatte sich vom starken Wachstumsmarkt Russland viel erhofft. Mit vier Millionen Neuwagen jährlich rechneten die Hersteller, das bleibt vorerst noch eine Wunschvorstellung.

Der russische Automarkt war eine der großen Hoffnungen der Autobranche. Nicht nur wegen des Ukraine-Konflikts bleiben die Verkaufszahlen hinter den hohen Erwartungen. Einige Hersteller werden wohl tief in die Tasche greifen müssen, um das Abenteuer Russland zu finanzieren.

Vier Millionen Neuwagen

Der Absatz in Russland sank im September um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Seit mehreren Monaten bleiben die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen und der russische Automarkt rutscht in die Krise. Autohersteller hatten in den letzten Jahren vermehrt auf Russland als Europas Wachstumsmarkt gesetzt. Der deutsche Autobauer Volkswagen musste im September bereits die Notbremse ziehen. Die Produktion im russischen VW-Werk in Kaluga wurde gestoppt, ähnlich ging es Opel, auch die Rüsselsheimer machten erstmal eine Produktionspause.

Lada Niva verkaufenViele Hersteller hatten für Russland ambitionierte Pläne. Der weltgrößte Flächenstaat hat 140 Millionen Einwohner, die Rechensumme war schnell gemacht. Wenn die Wirtschaft wächst, dann kaufen mehr Russen ein neues Auto. Mit vier Millionen Neuwagen auf Jahrbasis haben die Autohersteller gerechnet. 2013 wurden 2,8 Millionen Pkw verkauft, laut Studien von Beratungsunternehmen könnte sich die Zahl bis 2020 halten. Aus der Traum vom Wachstumsmarkt Russland. Zuletzt lagen die Verkaufszahlen bei 2,4 Millionen Neuwagen, Deutschland steuert konstant auf drei Millionen Neuzulassungen zu. Der russische Automarkt liegt damit auf dem Niveau von Großbritannien.

Woran es liegt, dass die Verkaufszahlen sinken und nicht, wie gehofft, wachsen? Zuerst einmal basiert die Zahl von vier Millionen neuen Autos jährlich eher auf den Wünschen der Autohersteller, als auf einer realistischen Marktanalyse.Des Weiteren kamen eine Anzahl von Faktoren in den letzten Monaten zusammen. Das Wirtschaftswachstum lag brach, der Rubel verlor an Wert und zusätzlich spitze sich der Ukraine-Konflikt zu. Die russische Bevölkerung ist stark verunsichert. Keine gute Situation also, um einen Neuwagen anzuschaffen.

Russland führt Abwrackprämie ein

Im September probierte die russische Regierung, gegen den Negativtrend anzusteuern. Eine Abwrackprämie nach deutschem Vorbild wurde eingeführt, um den Absatz anzukurbeln. Doch auch trotz dieser Gegenmaßnahmen, wird der Negativtrend bis zum Jahresende wohl kaum gestoppt werden können. Im Vergleich zum Vorjahres wird der Automarkt in Russland mit einem Minus von 12 Prozent rechnen müssen.

Lada verkaufenDass Russland nun hinter den Erwartungen zurück bleibt, kommt einigen Herstellern teuer zu stehen. Vor allem Volkswagen und Renault sind die großen Verlierer. VW rechnete fest damit, dass Russland schon bald Deutschland als stärksten Absatzmarkt ablösen werde. Bis 2018 werden die Wolfsburger nach wie vor 1,2 Milliarden Euro in das russische VW-Werk Kaluga investieren. Renault ist noch engagierter als Volkswagen. Die Franzosen sind der größte ausländische Autobauer in Russland. Zusammen mit ihrem japanischen Partner Nissan kontrollieren die Franzosen den Lada-Hersteller und Marktführer Avtovaz. In das Lada-Werk Togliatti investierte man 400 Millionen Euro, geplant ist, dass dort Autos aller drei Marken produziert werden. Ob sich diese Investitionen bald bezahlt machen, ist unter den heutigen Voraussetzungen mehr als fraglich.

Mögliche Sanktionen

Auch das Thema Sanktionen ist noch nicht vom Tisch. Die genannten Probleme würden sich im Falle von Sanktionen noch verschärfen. Ob dieser Schritt gegangen wird, ist jedoch fraglich. Auch Moskau würde erheblich leiden, wenn die Zoll- und Steuereinahmen wegfallen. Experten sprechen von einem möglichen Verlust von bis zu 1,4 Milliarden Dollar für den russischen Fiskus. Die Autobauer hoffen hier wohl auf Vernunft auf russischer Seite. Die nächsten Monate werden auf jeden Fall sehr spannend für die großen Autohersteller.