Deutsche Premium-Marken im Dreikampf
2014-10-17 09:00:53

Premium-Marken verkaufenDie drei deutschen Premium-Marken, Mercedes, Audi und BMW, liefern sich einen Kampf um die Spitzenposition des Automarktes. Alle drei Oberklassehersteller wollen den deutschen Neuwagenmarkt dominieren. Im September zog Mercedes nun an Rivale Audi vorbei, Spitzenreiter bleibt aber weiterhin BMW. Die Münchener konnten ihren Absatz im vergangenen Monat nochmals um sechs Prozent steigern.

BMW verkaufte im September 167.600 Neuwagen, Mercedes-Benz setzte 162.750 neue Pkw ab und Audi kam auf 159.950 Neuzulassungen im neunten Monat des Jahres. Bereits 2005 hatten die Bayern von BMW Mercedes als verkaufsstärkste Marke abgelöst. 2011 zog dann auch Audi an den Stuttgartern vorbei. Auf Gesamtjahressicht bleibt die Volkswagen-Tochter noch stets stärkster BMW-Verfolger. Der Wettkampf zwischen den Premium-Marken nimmt zwischenzeitlich bizarre Formen an. Doch nicht nur untereinander ist der Wettbewerb hoch, auch die klassischen Massenhersteller probieren einen Fuß in der Oberklasse zu fassen.

Premium-Marken beliebt

BMW X1 verkaufenVolkswagen ist die verkaufsstärkste Marke 2014 auf dem deutschen Pkw-Markt. Im September wuchs der Anteil der Wolfsburger noch einmal um satte 9,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Audi konnte sogar um 10,4 Prozent zulegen. Das reichte aber nicht aus, um Platz 2 unter den Premium-Marken zu halten. Im September zog Mercedes erstmals wieder an Audi vorbei. Auf Jahressicht kann die Volkswagen-Tochter den zweiten Platz noch halten. Fast 1,3 Millionen Neuwagen hat Audi 2014 bereits verkauft. Mit diesen Zahlen liegen die Ingolstädter nur knapp hintern den Münchnern, die mit 1,32 Millionen Autos auftrumpfen konnten. Die Marke mit dem Stern bleibt bislang mit knapp 1,2 Millionen Wagen noch auf Rang drei im Wettbewerb der Premium-Marken.

Aber nicht nur in Deutschland sind die deutschen Premium-Marken beliebt. Auch im Ausland erfreuen sich Audi, Mercedes und BMW großer Nachfrage und Beliebtheit. So meldete Mercedes, dass der September der absatzstärkste Monat der bisherigen Unternehmensgeschichte war. Das Absatzplus haben die Stuttgarter vor allem der Region Asien/Pazifik zu verdanken. In China lag das Wachstum sogar über 30 Prozent.

Die Verkaufszahlen der drei deutschen Premium-Marken im Wettstreit um die weltweite Krone der Oberklasseanbieter stellen sich im Überblick wie folgt dar:

Verkaufszahlen Premium-Marken

Wettrüsten

Der Kampf der Premium-Marken um die Spitzenposition nimmt zwischenzeitlich schon einmal bizarre Formen an. Die eine Premium-Marke will sich mit allen Mitteln von den anderen beiden abheben. Ein Beispiel hierfür ist das Laserlicht. Bislang sind Audi und BMW die einzigen Hersteller, die damit experimentieren.

Im Frühjahr lieferten sich die beiden Oberklassehersteller einen regelrechten Wettkampf. BMW hatte als erster Hersteller Laserlicht für seinen Plug-In-Hybridsportwagen i8 angekündigt. Im November sollte es erstmals lieferbar sein. Audi hielt dagegen und wollte sein Sondermodell R8 LMX noch im Juli mit der neuen Laserlichttechnologie ausstatten. Das ließ BMW sich nicht gefallen und rüstete schnell die ersten acht Exemplare mit der neuartigen Lichtquelle aus, so dass man diese bereits im Juni ausliefern konnte.

Der Nutzen von diesen Lasern ist umstritten, da diese Tiere und Fußgänger blenden. Auch ist fraglich, ob die Kundschaft bereit ist hierfür einen Aufpreis zu bezahlen. Beim BMW i8 kann man das Laserlicht als Extra bestellen, stolze 9.500 € werden hierfür noch einmal fällig. Das sind immerhin 7,5 Prozent vom gesamten Kaufpreis. Auch bei einem Fahrzeug, dass sicherlich keine armen Käufer kennt, ein stolzer Preis.

Alle wollen dazu gehören

Mercedes S-Klasse verkaufenMomentan wird der Wettbewerb im Premiumsegment noch zwischen den drei deutschen Premium-Marken ausgefochten. Doch auch andere Hersteller wollen in auf den weltweiten Markt für teure Autos vordringen. Nach Berechnungen von Experten beherrschen die drei deutschen Oberklasse-Hersteller fast 60 Prozent des weltweiten Automobil-Marktes. Doch auch Marken wie Jaguar, Land Rover, Volvo, Lexus oder Infiniti wollen aufschließen. Die Nachfrage nach teuren Autos wächst überall schneller als die nach billigen. Für Premium-Marken locken gute Absatzzahlen und hohe Margen. Die Volumenhersteller können zudem noch auf Skaleneffekte hoffen. So verwundert es nicht, dass auch Opel, Cadillac, Ford und sogar Hyundai in das Premiumsegment eindringen wollen.

Der Run auf die Oberklasse kommt nicht von ungefähr. Die Angebote der Autobauer verändern sich. Premiumhersteller stoßen auf die Absatzmärkte der traditionellen Volumenhersteller vor. Auch die deutschen Premium-Marken bieten mittlerweile kleine, sparsame Stadtfahrzeuge, kompakte Zweitwagen oder Familienautos an. Sie fischen damit im gleichen Teich wie die Volumenhersteller. Nicht nur von oben ist der Wettbewerb hart, auch von unten dringen neue Low-Cost Hersteller auf die Märkte. Um dieser Problematik zu entkommen, probieren viele Hersteller den Weg von der Massenware zur Oberklasse zu finden.