Lada bietet Deutschlands günstigstes Auto
2015-04-11 09:00:36

Lada verkaufenBei Lada streiten sich die Geister. Für die einen ist es ein Stückchen veraltete Ost-Nostalgie, über die man höchstens milde Schmunzeln kann - für die anderen steht Lada für geländegängige, besonders zuverlässige 4x4 Fahrzeuge ohne überflüssige Elektronik, die man auch auf deutschen Wiesen und in Wäldern selbst reparieren kann.

Nun läuft Lada selbst Dacia den Rang des günstigsten Neuwagens in Deutschland ab – mit dem neuen Lada Granta und einem Einstiegspreis von 6.750 €. Damit unterbietet der neue Russe das preisgünstigste Auto der rumänischen Renault-Tochter selbst um 140 Euro – der Dacia Sandero ist ab 6.890 Euro erhältlich.

Preiskrieg der Billig-Autos

Dacia verkaufenMittlerweile hat es sich rumgesprochen – Dacia baut die billigsten Autos. Doch dieses fragwürdige Alleinstellungsmerkmal müssen die Rumänen nun abgeben. Die Schrägheck-Variante des neuen Lada Granta wird noch unter dem Einstiegspreis für den Sandero angeboten. Die Kombi-Variante Lada Kalina liegt nur noch 100 Euro darüber und damit gute 2.500 Euro unter der vorherigen Version.

Die Strategie muss wohl sein – mit irgendetwas muss man ja auffallen. Immerhin wollen die Russen in Deutschland langfristig einen Marktanteil von 0,5 Prozent erreichen. Das wären momentan ungefähr 9000 verkaufte Neufahrzeuge – die aktuellen Neuzulassungszahlen liegen bei einer erhofften Anzahl von 2.500 neuen Autos für 2015. Es muss sich also noch einiges ändern beim einzigen russischen Importeur.

Neue Lada Modelle

Auch Lada gehört mittlerweile, ebenso wie Dacia, zum Renault-Nissan-Konzern. Geführt wird die Marke erstmals von einem Ausländer, dem Schweden Bo Anderson. Der möchte Veränderung in die angebotenen Modelle bringen. Mit einer Preisoffensive und erweiterter Technik sollen die europäischen Autokäufer begeistert werden. Dabei ist Lada unter seinen Anhängern doch gerade so beliebt, da sich die Geländewagen Taiga/Niva einfach und schnell und unter Umständen auch selbst reparieren lassen. Viele Förster und Jäger schätzen die Simplizität der Fahrzeuge.

In den letzten Jahren verkaufte der Importeur fast ausschließlich das Langzeitmodell Taiga/Niva. 2014 wurden rund 1100 Neuzulassungen verzeichnet – das hört sich nicht nach einem boomenden Geschäft an, mag aber Absicht sein. Immerhin erfüllt das 38 Jahre alte Modell nicht mehr die gültigen EU-Normen und darf nur noch verkauft werden, da es als Kleinserie klassifiziert ist.

Mit den beiden Neuheiten, Kalina und Granta, will der russische Hersteller den Absatz in Fahrt bringen. Neben dem Arbeitstier Taiga/Niva sollen nun auch stadttaugliche Modelle die Käufer begeistern. Ganz neu sind die beiden Modelle allerdings nicht – die letzten Generationen erfüllten nicht mehr die strenger gewordenen Euro-Normen. Nun kommen die Pkw mit neuen Motoren, die sich innerhalb der Euro-V-Norm bewegen.

Schlechter Rubel-Kurs

Niva verkaufenWo Autobauer momentan ihre Kapazitäten in Russland stark zurückfahren, wie Volkswagen, oder aber sich ganz aus dem Markt zurückziehen, wie Opel – da profitiert Lada. Der gefallene Rubelkurs wirkt sich überaus positiv für AutoVAZ, Hersteller von Lada, aus. Dank des günstigen Wechselkurses kann der Importeur die Modelle zu den sensationellen Preisen anbieten.

Allerdings hat sich Lada noch nie durch teure Modelle oder ein luxuriöses Image ausgezeichnet. Seit dem Beginn in den 1970er Jahren, als die ersten Autos auf Basis von Fiat-Modellen gefertigt wurden, haftet der Marke das Billig-Image an. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fiel es dem russischen Automacher allerdings schwer, die Fahrzeuge noch an den Mann zu bringen. Wohlgemerkt in der Heimat ist es bis zum heutigen Tag noch die meistverkaufte Marke.

Im letzten Jahr wurde AutoVAZ vom japanischfranzösischen Autokonzern Nissan-Renault übernommen und nun soll sich einiges ändern. Dacia hat es bereits vorgemacht, dass günstige Neuwagen europäische Autokäufer begeistern können. Nun will Lada von dieser Akzeptanz profitieren – problematisch wird wahrscheinlich das quasi nicht vorhandene Händlernetz.