10 goldene Regeln für die Probefahrt
2015-10-08 14:46:35

Auto überprüfen vor der ProbefahrtBei konkretem Interesse an einem Gebrauchtwagen sollten Sie ein paar wichtige Punkte beachten, bevor Sie einem tatsächlichen Kauf zustimmen. Eine Probefahrt ist unerlässlich, wenn Sie nicht die Katze im Sack kaufen wollen. 
Sobald Sie sich für Ihren potentiellen neuen Gebrauchtwagen entschieden haben, nehmen Sie üblicherweise Kontakt mit dem Verkäufer auf. Eine Probefahrt sollte dieser Ihnen nicht verwehren. Falls es an dieser Stelle schon kompliziert wird, lassen Sie besser gleich die Finger von diesem vermeintlich guten Deal.

1. Der kundige Beifahrer

Die sicherste Art für den präventiven Gebrauchtwagencheck ist der kundige Beifahrer. Kennen Sie jemanden, der sich mit Fahrzeugen auskennt? Perfekt, dann bitten Sie ihn/sie am besten als Beifahrer an der Probefahrt teilzunehmen. Der Bekannte aus der Kfz-Werkstatt und der Autobastler aus Leidenschaft sind jetzt Gold wert. Mit geübtem Auge sieht er auf Anhieb, was Ihnen als Laie womöglich verborgen bleibt. Das kann ein alter Zahnriemen sein oder eine kaputte Zylinderkopfdichtung. Oder möglicherweise steht der Endtopf der Auspuffanlage kurz vor dem finalen Fall auf die Straße. So etwas wissen Sie besser vor dem Kauf, denn falls Sie das Fahrzeug trotzdem kaufen möchten, können Sie den Preis herunterhandeln. Der Beifahrer kann außerdem während der Fahrt auf Einzelheiten achten, die Sie selber nicht wahrnehmen, da Sie sich auf den Straßenverkehr konzentrieren müssen.

2. Fahrstrecke festlegen

Ein Streckenplan für die Probefahrt kann nie schaden. Das Auto sollte möglichst auf verschiedenen Straßenbelägen und in unterschiedlichem Tempo getestet werden: Autobahn, Landstraße, Kopfsteinpflaster. Sollten Sie ein Poltern oder Klappern oder eine verzögerte Beschleunigung bzw. einen zu langen Bremsweg feststellen, haben Sie gleich einen Anhaltspunkt für berechtigte Zweifel am einwandfreien Zustand des Fahrzeugs. Befindet sich der Verkäufer in unmittelbarer Nähe Ihres Wohnortes? Dann können Sie die Gelegenheit nutzen und vorab einen Streckenplan für einige Ihnen vertraute Straßen erstellen.

3. Die beste Tageszeit ausnutzen

auto hauptverkehrszeitWenn Sie eine Probefahrt einplanen, nutzen Sie dafür nicht die morgendliche oder abendliche Hauptverkehrszeit. In der Rush Hour macht eine Probefahrt wenig Sinn. Falls es sich einrichten lässt, können Sie gut die Zeit nach dem morgendlichen Berufsverkehr bis etwa 14:00 Uhr einplanen. So können Sie die hellsten Stunden des Tages während des geringsten Verkehrsvorkommens nutzen. Indirekter Vorteil: Bei Tageslicht sind vermeintliche Schäden viel besser zu erkennen. In der Dämmerung oder in den dunklen Abendstunden bleiben diese eher unentdeckt. Versuchen Sie außerdem, die Probefahrt nicht unbedingt auf einen verregneten Tag zu legen. Ein regennasses Fahrzeug und eine nasse Fahrbahn sind gleichermaßen ungeeignet für eine optimale Probefahrt.

4. Der erste Check im Stand

In den meisten Fällen wird einer Probefahrt nichts in Wege stehen. Jedoch steigen Sie besser nicht ohne die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen hinters Steuer und fahren einfach los. Die Probefahrt beginnt im Stand, wie man so schön sagt. Lassen Sie sich zunächst alles vom Verkäufer zeigen und erklären. Bedienen Sie alle Knöpfe und Hebel. Checken Sie alle Leuchten vorab: Bremslicht, Scheinwerfer, Rücklichter, Blinker, Nebelschlussleuchte, usw.

5. Das äußere Erscheinungsbild

Sie treffen bei dem Verkäufer wie verabredet ein, und da steht es, Ihr potentielles neues Gefährt. Der Wagen glänzt? Er blendet nahezu? Dann ist Vorsicht geboten. Es spricht natürlich nichts dagegen, dass der Verkäufer den Wagen vorher ordentlich gereinigt hat. Das kann man sogar als Pluspunkt werten. Aber lassen Sie sich nicht davon abhalten, einen genaueren Blick „hinter die Kulissen“ zu werfen. Ein Auto kann von außen strahlen wie ein Neuwagen, das heißt jedoch noch nicht, dass er auch frei von Mängeln ist. Im Gegensatz dazu kann ein eher dreckig wirkendes Fahrzeug in einem ungeahnt guten technischen Zustand sein. Lassen Sie sich also so oder so nicht vom äußeren Eindruck täuschen.

6. Persönliche Checkliste

Fertigen Sie sich Ihre persönliche Checkliste an, die Ihr Beifahrer während der Fahrt abhaken kann. Auf der Liste können Sie vorab sorgfältig alle wichtigen Punkte notieren und zum Beispiel unterteilen in Zustand von außen, im Innenraum, unter dem Fahrzeug, im Motorraum und Papiere.
Überprüfung vor der Probefahrt

7. Schäden vorher dokumentieren

Bevor Sie die Probefahrt antreten, halten Sie besser alle Schäden schriftlich fest. So können Sie nach der Fahrt nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Dazu zählen z.B. Kratzer im Lack, Dellen, Beulen und kaputte Scheiben sowie kaputte Scheinwerfer. Alles was Ihnen auffällt, schreiben Sie auf oder machen ggf. Fotos davon. Nicht sichtbare Schäden im Motorraum oder unter der Karosserie können bei der nächsten Werkstatt oder bei einer DEKRA- oder TÜV-Prüfstelle ermittelt werden. Die Kosten dafür liegen etwa bei 60,- €. Planen Sie also einen Termin unter der Woche ein, damit Sie dort nicht vor verschlossener Tür stehen.
Entdecken Sie tatsächlich gravierende Schäden oder sogar Sicherheitsmängel, sehen Sie besser von einer Probefahrt ab. Abgefahrene Reifen oder eine defekte Rückleuchte können im Falle eines Verkehrsunfalls während der Probefahrt zu ungeahnten Problemen mit der Versicherung führen.

8. Kaltstart

Es ist empfehlenswert, den Motor bei einer Probefahrt immer kalt zu starten. Er muss ungeachtet dessen einwandfrei anspringen. Sollte der Motor bereits warmgelaufen sein, entgehen Ihnen mögliche Startprobleme. Falls der Verkäufer Ihnen also anbietet, Sie abzuholen, lehnen Sie besser ab und weisen vor der Terminvereinbarung telefonisch darauf hin, dass der Motor kalt sein sollte.
Probefahrt Motor kalt starten

9. Nehmen Sie sich Zeit

Für eine Probefahrt dürfen Sie sich ruhig Zeit nehmen. Als grober Richtwert gilt mindestens eine halbe Stunde. Umso mehr Zeit Sie haben, desto besser. Diese sollte Ihnen der Verkäufer auch unbedingt einräumen. Wenn er Sie stattdessen unter Zeitdruck setzt, sollte Ihnen das zu denken geben. Immerhin könnte er dadurch Fahrzeugmängel verbergen wollen. Mit mehr Zeit können Sie auch weitere Strecken zurücklegen.

10. Check der Fahrzeugpapiere

Auch wenn es eigentlich selbstverständlich ist, sei es hier nochmal explizit erwähnt: Überprüfen Sie auf jeden Fall gründlich die Fahrzeugpapiere. Dazu zählen der Fahrzeugschein, der Fahrzeugbrief und ein Prüfbescheinigung plus Hauptuntersuchung. Gerne auch ein Service-Heft (oder Scheckheft) falls vorhanden. Für etwaige Extras muss eine Zulassungsbescheinigung vorliegen.
Im Zweifelsfall können Sie sich mithilfe des Personalausweises des Verkäufers vergewissern, ob er/sie der tatsächliche Eigentümer des Fahrzeugs ist. Falls der Verkäufer vor der Probefahrt darauf besteht, mit Ihnen einen kurzen Vertrag abzuschließen, wodurch Sie als Probefahrer bei einem Unfall haften, sollten Sie sich diesen Vertrag vor der Probefahrt gründlich durchlesen und bei Bedarf prüfen lassen.