Martinshorn, Blaulicht und Sirene – was tust Du?
2015-07-02 13:56:05

Verhaltensregeln für den VerkehrDu fährst gemütlich in Deinem Auto. Du näherst Dich einer Kreuzung und willst in aller Ruhe abbiegen. Doch auf einmal hörst Du hinter Dir Sirenen aufheulen. Im Rückspiegel siehst Du auch schon den Krankenwagen, der sich Dir in rasender Geschwindigkeit nähert. Und nun?

Der Pkw vor Dir fährt noch ganz gemächlich auf die Kreuzung und der Rettungsdienst muss scharf abbremsen. „Was ein Knallkopf!“ – denkst Du Dir. Aber die Chance ist groß, dass der Fahrer im Auto vor Dir panisch handelte. Damit Du in Zukunft sicher und ruhig bleibst – auch in solchen Stresssituationen – haben wir die wichtigsten Regeln im Umgang mit Krankenwagen und Polizeifahrzeugen zusammengetragen. Lies Dir die folgenden Situationen gut durch. So kannst Du Leben retten!

Situation 1: Autobahn

Das passiert: Du bist auf der Autobahn unterwegs. Hier herrschen natürlich andere Geschwindigkeiten als in Stadt. Das Durchschnittstempo liegt bei 130 km/h. Auch auf der Autobahn kann sich ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn von hinten nähern.

Passende Reaktion: Halte Deine Schnellheit. Füge Dich in den Verkehrsstrom ein. So bleibt es ruhiger und Du verhinderst Auffahrunfälle. Bremslichter können es den Rettungsdiensten auch schwerer machen, um Übersicht zu behalten. Unter Normalumständen solltest Du auf der rechten Spur so weit rechts möglich fahren. Du fährst links? Bleib dann auf der Spur und halte dich links. Der Krankenwagen kann dann in der Mitte durchfahren. Auf der Autobahn musst Du den Standstreifen immer für solche Fälle frei lassen. Wichtig vor allem bei einem Stau.

Wie Du Dich nicht verhältst:  Studien zeigen, dass Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn langsamer fahren, wenn sich ein Notdienst nähert. Auf der Autobahn, wo normalerweise ein Durchschnittstempo von 130 km/h herrscht. Daher solltest Du auch nicht plötzlich langsamer fahren, nur weil ein Rettungswagen oder Polizeifahrzeug heranbraust.

Autobahn nähernde Einsatzfahrzeuge

Situation 2: Ampel

Das passiert: Du stehst an einer Ampel. Und bist bis zur Markierung vorgefahren. Doch nun kommt von hinten ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht auf Deiner Fahrbahn.

Passende Reaktion: Die einzige Option, die Du jetzt noch hast, ist ein Stückchen auf die Kreuzung zu fahren und dem Rettungsfahrzeug so Platz zu machen. In einem Notfall darfst Du so handeln –  auch bei einer roten Ampel. In dieser Ausnahmesituation darfst Du ein Stückchen vorfahren und Platz machen. Du darfst sogar in einer Kurve stehen bleiben oder auf den Bürgersteig fahren.

Besser ist es jedoch, wenn Du jederzeit genug Abstand zum Vordermann oder zur Markierung hältst. So hast Du im Fall der Fälle immer genug Platz zum Manövrieren.

Gut zu wissen: Steht an der Ampel ein Blitzer, dann bekommst Du zwar einen Bußgeldbescheid. Merk Dir in diesem Fall das Nummernschild des Einsatzfahrzeugs oder Polizeiwagens gut. Du musst dann nämlich nicht bezahlen – aber nur, wenn Du es beweisen kannst.

Wie Du Dich nicht verhältst:  Fahr nicht panisch bei Rot über die Kreuzung. Die Verkehrsteilnehmer links und rechts haben nun Grün. Es kann gut sein, dass diese die Situation nicht gut einschätzen und mit hoher Geschwindigkeit über die Kreuzung fahren. Auch solltest Du nicht ohne zu gucken auf den Bürgersteig fahren. Nimm Rücksicht auf Fußgänger.

Verkehrsverhalten Ampel Polizei

Situation 3: Weiterfahren oder nicht?

Das passiert: Stell Dir vor, Du fährst mit 50 km/h auf einer einspurigen Straße im Stadtgebiet. Wie musst Du Dich nun eigentlich verhalten, wenn Du die Blaulichter im Spiegel siehst? Extra Gas geben oder doch besser unmittelbar abbremsen und anhalten?

Passende Reaktion: Wenn Du in dieser Situation bist, dann kannst Du am besten weiterfahren. Halte Ausschau nach einem passenden Platz am Straßenrand, um anzuhalten – eine Ausfahrt, ein Nothafen oder eine Bushaltestelle. Klingt einfacher als es ist, aber ruhig bleiben ist das wichtigste. Lass die Notdienste vorbei; sobald dafür eine sichere Möglichkeit besteht.

Wie Du Dich nicht verhältst: Abbremsen klingt nicht logisch, wenn sich Dir ein Einsatzfahrzeug mit Höchstgeschwindigkeit von hinten nähert. Und doch ist es das, was die meisten machen. Das kann an der einsetzenden Panik liegen. Oder an einer Kurzschlussreaktion. Aber clever ist dieses Handeln absolut nicht. Damit bringst Du Dich und andere in Gefahr. Dass Du bremst erwartet aber niemand – und das nächste Unglück ist schon passiert. Wusstest Du, dass Rettungsdienste oft große Probleme haben, weil Automobilisten plötzlich abbremsen?

Situation 4: Kreisverkehr

Das passiert: Du fährst gerade in den Kreisverkehr ein. Von hinten kommt ein Polizeiauto mit Blaulicht und Sirene angeschossen. Was tust Du?

Passende Reaktion: Du fährst in normaler Geschwindigkeit so lange durch den Kreisverkehr, bis der Notdienst abgebogen ist. Komm bloß nicht auf die Idee im Kreisverkehr an die Seite zu fahren. So stehst Du meistens nur im Weg.

Wie Du Dich nicht verhältst:  Du hast sicher die Neigung, die erste Abfahrt zu nehmen. Dein Gedanke: So kann das Einsatzfahrzeug schnell weiter. Aber was, wenn der Rettungsdienst auch diese Abfahrt nehmen will. Dann blockierst Du noch länger den Weg.

Wohin im Kreisverkehr

Situation 5: Bahnübergang

Das passiert: Wie oft hast Du das nicht schon erlebt. Du fährst an einen Bahnübergang heran und auf einmal senken sich die Schranken. Du denkst: Jetzt aufs Gaspedal treten und noch schnell vor dem Zug weiter. Du hörst das Martinshorn hinter Dir?

Passende Reaktion: Egal, ob ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn hinter Dir ist oder nicht. Du solltest in keinem Fall Vollgas geben und probieren, die Schienen noch zu überqueren. Deine Hintergedanken mögen gut sein: Dem Rettungswagen ein paar Minuten auf dem Weg zu einem lebensrettenden Einsatz zu verschaffen. Aber Du kannst nie genau wissen, wann die Schranken genau unten sind.

Wie Du Dich nicht verhältst: Fahr auf gar keinen Fall noch über die Schienen. Es ist wahrscheinlich, dass der Rettungswagen das Risiko selbst nicht nimmt und sowieso stehen bleibt. Du bringst Dich nur unnötig in Gefahr. In dieser Situation solltest Du Dich möglichst rechts halten. Der Rettungsdienst kann dann links stehen und nachdem der Zug vorbeigezogen ist, direkt weiterfahren.

Verhalten Bahnübergang

Allgemeine Tipps

Das war nur ein Auffrischungskurs für Dich? Oder hast Du vielleicht noch neue Infos erhalten? Ganz egal – denn es ist besonders wichtig, sich immer wieder über diese Situationen Gedanken zu machen. Wir geben Dir daher gerne auch noch ein paar allgemeine Tipps, mit denen Du aktiv zur Verkehrssicherheit beiträgst.

  • Der allerwichtigste Tipp: Bleib ruhig! Klingt einfacher als es ist. Aber ohne Panik lassen sich diese Situation einfach besser managen – ohne eine falsche Entscheidung zu treffen.
  • Laut Musik hören macht Spaß. Aber dreh die Lautstärke im Auto etwas runter. Ansonsten hörst Du das Martinshorn nicht mehr.
  • Schau regelmäßig in den Rückspiegel und die Seitenspiegel. So siehst Du Blaulicht frühzeitig. Und hast genug Zeit, um in Ruhe zu reagieren.

Aber egal, wie gut Du Dich zu diesem Thema informierst. Erst wenn Du im Verkehr unterwegs bist, zeigt sich, wie gut Du Bescheid weißt. Wir hoffen jedoch, dass wir Dir mit diesem Artikel hilfreiche Tipps für die Praxis mitgeben konnten.

Welche Tipps willst Du noch mit anderen Autofahrern teilen? Oder hast du vielleicht schon einmal eine Situation mitgemacht, in der sich Verkehrsteilnehmer nicht angemessen verhalten haben? Teil es uns in den Kommentaren mit.