Werden Ferrari günstiger?
2014-11-01 09:00:27

Ferrari verkaufenFerrari soll an die Börse. Der Mutterkonzern Fiat Chrysler (FCA) wird seit einigen Wochen an der Wall Street in New York gelistet. Nun wurde bekannt, dass Fiat-Chrysler sein Tochter-Unternehmen Ferrari abspalten will. Auf diese Art und Weise soll frisches Kapital generiert werden, um die ambitionierten Ziele bis 2018 zu erreichen. Es ist zu vermuten, dass Ferrari nun mehr als die 7.000 Stück per Jahr verkauft. Hierdurch ist es wahrscheinlich, dass auch der Preis pro Stück sinken wird.

Mit der Abspaltung von Ferrari will der siebtgrößte Autobauer seine ehrgeizigen Expansionspläne finanzieren. Im nächsten Jahr sollen zehn Prozent der Ferrari-Aktien auf den Markt kommen und die übrigen Anteile an FCA-Aktionäre gehen. Im September wurde bekannt, dass der langjährige Ferrari-Topmann di Montezemolo das Unternehmen verlassen wird. Freiwillig war dieser Abschied nicht. Di Montezemolo war ein starker Gegner von dem Plan, mehr als 7.000 Ferrari per Jahr zu verkaufen.

Börsengang Ferrari

Fiat hatte 2009 den angeschlagenen amerikanischen Autohersteller Chrysler übernommen und wurde damit zum siebtgrößten Autohersteller weltweit. Seit einigen Wochen wird der FCA (Fiat-Chrysler Automobiles) an der Börse in New York gehandelt. Vorausgegangen war eine vollständige Neuorganisation des Konzerns. Der Hauptsitz wurde von Turin nach London verlegt und ist nach niederländischem Recht organisiert, dieses aus steuerlichen Gründen. Fiat ist eine Abkürzung für „Fabbrica Italiana Automobili Torino“ und hatte in Turin seinen Sitz seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1899. Um in der Zukunft erfolgreich zu sein, wurde von diesen Traditionen Abschied genommen.

Ferrari 348 verkaufenFiat-Boss Marchionne ist der Kopf hinter der Fusion mit Chrysler. Bei seinem Amtsantritt vor zehn Jahren stand der italienische Traditionshersteller kurz vor der Pleite. Marchionne schaffte es, seinen kränkelnden Konzern mit dem zuvor insolventen US-Autobauer Chrysler zu fusionieren. Die Erfolge geben ihm Recht. Im September geriet Marchionne in die Schlagzeilen, da er maßgebend daran beteiligt war, dass Ferrari-Chef di Montezemolo den Konzern verlässt. Der Ferrari-Boss hatte 23 Jahre lang das Sagen bei Ferrari. Dank di Montezemolo hatte Ferrari die erfolgreichste Zeit in der Formel 1 zwischen 1991 und 2004. In diesem Zeitraum konnten die Italiener sechs Fahrertitel und acht Konstrukteurspokale auf ihr Konto schreiben. Michael Schumacher war einer der erfolgreichsten Fahrer für den Rennstall mit fünf Weltmeistertiteln. In den letzten Jahren blieben die sportlichen Erfolge allerdings aus. Beim diesjährigen Heim-Grand Prix in Monza fuhr Ferrari erstmals seit sechs Jahren nicht auf das Podium. Dass es zwischen Marchionne und di Montezemolo zuletzt nicht harmonisch zuging, ist öffentlich bekannt.

Wirtschaftlich konnte di Montezomolo auch bis zuletzt sehr gute Erfolge vorweisen. Im ersten Halbjahr von 2014 konnte Ferrari ein Rekordergebnis realisieren. Insgesamt konnten die Italiener Gewinne von 1,349 Milliarden Euro verbuchen. Der Ferrari-Chef wollte die Exklusivität der Marke sichern und blieb bis zum Ende dabei, dass man nicht mehr als 7.000 Exemplare pro Jahr in den Verkauf geben sollte. Marchionne ist anderer Meinung. Dieser will die Gewinne maximieren und dafür mehr Ferrari auf den Markt bringen. Marchionne betonte wiederholt, dass Ferrari in der Konzernstruktur unterbewertet sei. Nun will er die Besitzverhältnisse verändern und neues Geld für notwendige Investitionen generieren.

Die Ferrari-Aktien sollen in den USA gehandelt werden und möglicherweise auch in Europa. Wieviel der Ferrari-Anteil wert ist, wollte Marchionne noch nicht beziffern. „Ich glaube, wir werden angenehm überrascht sein, wenn die Platzierung läuft“, so der Fiat-Vormann.

Ehrgeizige Pläne

Mit der Abspaltung von Ferrari sollen die ehrgeizigen Pläne von FCA finanziert werden. Geplant ist, dass sich der Absatz in den kommenden Jahren auf sieben Millionen Wagen auf Jahrbasis erhöht. Das entspricht einem Zuwachs von 60 Prozent. Bis 2018 soll sich der Nettogewinn verfünffachen, so dass 5,5 Milliarden Euro eingenommen werden.

Ferrari Spider verkaufenSeit der Fusion mit Chrysler sieht es wieder besser aus für Fiat. Die Italiener sind nicht mehr in der Gefahrenzone, aber besonders rosig sieht es auch nicht aus. Vor allem der US-Markt verhilft dem Konzern in die Gewinnzone. Auch die Marken, die als Hoffnung für Fiat Chrysler gelten, kommen von Seiten der Amerikaner. Besonders die Chrysler-Marke Jeep konnte in den letzten Jahren glänzende Absatzzahlen vorweisen. Dieses Jahr verkaufte Jeep bereits dreimal so viele Autos wie noch 2009. Auch in Deutschland trumpft Jeep auf. Im September wurden 40,9 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vormonat neu zugelassen. Über diese positive Entwicklung auf dem deutschen Neuwagenmarkt dürfte man sich im Hause FCA sehr gefreut haben.

Die Fiat und die Tochter-Marken werden allerdings weitaus kritischer gesehen. Fiat selbst hat laut Experten wenig zu bieten, die Produktpalette gilt als stark veraltet. Auch die italienische Tochter-Marke Alfa Romeo konnte zuletzt die Automobil-Experten nicht beeindrucken. Auf dem Pariser Autosalon präsentierten die Italiener kaum Neues. Die „neuen“ Modelle Giulietta Sprint und der MiTo Junior sind im Grunde genommen nur Neuauflagen der Klassiker. Wirklich neue Modelle sollen erst im nächsten Jahr vorgestellt werden. Ob diese auf große Beliebtheit bei den Autokäufern stoßen, ist zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen offen. Diese Woche wurde bekannt, dass 48 Milliarden Euro in Alfa-Romeo investiert werden soll. Auch die Tochter-Marke Lancia wird nicht positiv bewertet. Experten bezeichneten diese zuletzt als Namenshülle mit US-Inhalten.

Investoren reagieren euphorisch

Auf die Nachricht, dass Fiat-Chrysler Automobiles sich von Ferrari trennen wird, reagierten Investoren euphorisch. In Mailand stiegen die Fiat-Aktien um mehr als 13 Prozent auf 8,64 Euro pro Stück. Dies ist besonders auffallend, da der Quartalsgewinn der Italiener hinter den Erwartungen blieb. Allerdings konnten Fortschritte vermeldet werden, die vor allem der Geländewagen-Marke Jeep zu verdanken sind. Insgesamt legten die Verkaufszahlen knapp 10 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge zu. Der Umsatz stieg noch kräftiger auf 23,6 Milliarden Euro. Selbst auf dem momentan schwierigen europäischen Markt konnte der Konzern den Verlust auf 63 Millionen Euro halbieren.

Werden Ferrari günstiger?

Mit dem Börsengang der Luxusmarke ist zu erwarten, dass pro Jahr mehr Ferrari verkauft werden müssen. Momentan ist die Stückzahl limitiert, die Exklusivität der Marke wird so garantiert. Mit Aktionären im Hintergrund müssen die Gewinne maximiert werden. Das wird vermutlich zu mehr Angebot und eventuell auch einem Preisfall führen.