Wildschaden: Fakten und Hintergründe
2015-10-15 16:14:11

 
Im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen auf Straßen im ländlichen und waldbewachsenen Raum noch einmal an. Dichte Nebelschwaden und dunkle Tage sowie die früh einsetzende Dämmerung sorgen für zusätzliche Risiken für Autofahrer und Wildtiere gleichermaßen.
Dammwild Unfall Reh HirschLaut einer Wildunfall-Statistik vom Deutschen Jagdverband, gab es 2014 in ganz Deutschland 222.330 Wildunfälle. Denn Rehwild, Schwarzwild, Rotwild und Damwild legt auf seiner Nahrungssuche oft weitere Strecken in seinem Revier zurück. Dass dabei in so einem dicht bebauten Land wie Deutschland unweigerlich auch Straßen überquert werden müssen, steht außer Frage. Dann spricht man von Wildwechsel. Im Dunkeln fühlen sich die Tiere relativ sicher, was sowohl dem Wild als betroffenen Verkehrsteilnehmern zum Verhängnis werden kann. Denn bei einem Zusammenstoß zwischen Auto und Wildtieren wirken starke Kräfte auf das Fahrzeug ein. Als Beispiel: die Kraft, mit der ein Hirsch bei 60 km/h auf die Frontpartie des Fahrzeugs einschlägt, entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten - 5 Tonnen!
 
 

Wildunfälle vermeiden

Wildwechsel im NebelWenn Sie mit Ihrem Auto in den frühen Morgenstunden oder am Abend über einsame Landstraßen fahren, ist besondere Vorsicht geboten. Vor allem Straßen, die von Weideland oder dichtem Baumbewuchs umgeben sind, gehören zu den von Wild stark frequentierten Gebieten. Je nachdem, in welchem Teil des Landes Sie wohnen, bekommen Sie es mit Wildschweinen, Rothirschen, Damhirschen oder Rehen zu tun. Zu erkennen sind Gebiete mit viel Wildwechsel an diesem Warnschild:
Mit Fernlicht sieht man weiter! Klingt logisch, ist auch so. Das heißt, wenn Sie mit wenig Gegenverkehr auf dunklen Landstraßen rechnen, schalten Sie Ihr Fernlicht ein (sobald sich Gegenverkehr nähert, schalten Sie es natürlich wieder aus). So erkennen Sie auf der Straße stehendes Wild schon von weitem und haben im besten Fall noch genug Zeit, um zu reagieren. Sobald Sie ein Wildtier auf der Straße sehen, dimmen Sie das Fernlicht jedoch wieder, denn sonst laufen Sie Gefahr, es zu blenden.
Rehe neigen dazu, völlig unerwartet hervorzuspringen. Wenn Sie ein Reh oder einen Hirsch neben der Straße stehen sehen, sollten Sie also besser nicht davon ausgehen, dass das Tier dort stehen bleibt. In Panik reagieren Wildtiere instinktiv falsch und springen Ihnen im letzten Moment im wahrsten Sinne vor das Auto. Verringern Sie besser die Geschwindigkeit oder stoppen Sie nach Möglichkeit ganz und warten Sie, was passiert. Hupen Sie, bis das Tier sich entfernt. Behalten Sie dabei stets den nachfolgenden Verkehr im Auge.

Wildschaden was nun?

Unfallstelle absichern WildschadenWenn Sie keine andere Möglichkeit mehr sehen, weil das Wild unerwartet vor Ihnen auf der Straße auftaucht, und Sie mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, halten Sie drauf, statt auszuweichen. So wird es einem schon Fahrschule beigebracht. Ein Ausweichmanöver endet nämlich nicht selten mit schwerwiegenden Folgen für den Fahrer. Ein Baum weicht nicht aus! Wenn Sie mit gedrosseltem Tempo fahren, und genug Raum haben, weichen Sie lieber aus.
Trotz aller Vorsicht kann es leider dennoch passieren, dass Sie Wild anfahren. Schalten Sie in dem Fall den Warnblinker ein und sichern Sie die Unfallstelle mit einem Warndreieck. Benachrichtigen Sie direkt die Polizei und den örtlichen Wildhüter/Förster. Auch wenn das Tier noch lebt, kann es ihm eher schaden, wenn Sie sich ihm nähern. Es handelt sich bei Wild um Fluchttiere, die instinktiv alles versuchen werden, Ihnen zu entkommen. Wenn Ihnen das nicht gelingt, werden Sie aggressiv! Egal, in welchem Zustand sie sind. Bevor also noch mehr Schaden angerichtet wird, warten Sie auf das Eintreffen der zuständigen Personen. Grundsätzlich sollten Sie Ruhe bewahren, auch wenn es vielleicht schwer fällt. Richten Sie Ihre Konzentration darauf, dem angefahrenen Tier nach bestem Gewissen zu helfen, sofern es in Ihrer Macht steht.

Greift die Kfz-Versicherung bei einem Wildunfall?

wildschaden mit autoJe nachdem, welches Tier mit welchem Fahrzeug angefahren wird, kann es sich um einen reinen Blechschaden oder um einen Totalschaden des Fahrzeugs handeln. Bei einem Hasen, der nicht zum Großwild zählt, ist eventuell nur ein Scheinwerfer beschädigt. Bei einem Hirsch oder Wildschwein sieht es hingegen ganz anders aus. Machen Sie auf jeden Fall Fotos, sowohl von Ihrem Fahrzeug als auch von dem angefahrenen Tier. Wer schlau ist, sorgt bei seiner Kfz-Versicherung frühzeitig für die richtigen Konditionen. Eine Kfz-Haftpflichtversicherung alleine reicht meist nicht aus.
 
 
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Fällen:
  1. Direkter Wildunfall
Per Definition ist ein Wildunfall ein Zusammenstoß eines sich in Bewegung befindlichen Fahrzeuges mit Haarwild. Unter den Begriff Haarwild fallen gem. § 2Abs. 1 Nr. 1 BJagdG (Bundesjagdgesetz) z.B. Rehe, Hirsche, Wildschweine, Hasen, Luchse, Dachse, Fuchse, Gemsen und Fischotter.
  1. Indirekter Wildunfall (Ausweichunfall)
Wenn Sie mit einem Brems- oder Ausweichmanöver einen Zusammenstoß mit einem Wildtier vermeiden und in einem Graben oder vor einem Baum landen, spricht man in Versicherungskreisen von einem Ausweichunfall.
Sie als Versicherungsnehmer sind in so einem Fall verpflichtet, nachzuweisen, dass Sie das Ausweichmanöver als nötige Rettungsmaßnahme für das Wildtier durchführen mussten. Eine Vollkasko-Versicherung sollte den Schaden (je nach Versicherung) ohne größere Beweislast abdecken. Informieren Sie sich jedoch rechtzeitig über Ihre Konditionen bei Ihrer Kfz-Versicherung. Denn, wie wollen Sie ein Ausweichmanöver nachweisen, wenn das Wildtier verschont bleibt und davonrennt?! Die Versicherung unterscheidet im Schadensfall auch noch zwischen den Arten der betroffenen Wildtiere. Es kann unter Umständen sogar sein, dass man Ihnen das Ausweichen zur Last legt, weil Sie ja theoretisch das Tier hätten überfahren können. Ein Hase oder ein Igel beispielsweise sind so klein, dass ein Ausweichen aus versicherungstechnischer Perspektive unnötig erscheint. Klingt makaber, ist es auch. Noch ein Grund mehr, sich ausführlich über die Konditionen seiner Kfz-Versicherung zu informieren.
Wir wünschen Ihnen eine gute und sichere Fahrt durch die dunkle Jahreszeit!